Christof Breitsameter über Giovanni Boccaccio (Teil 1)

lit radio breitsameter webDas 14. Jahrhundert gilt als Krisenzeit des Mittelalters. „Dramatisches Jahrhundert“ nannte es die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman in ihrem Klassiker „Der ferne Spiegel“. Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, in der Kirche die „Avignonesische Gefangenschaft“ und das große abendländische Schisma, Pestepidemien und Naturkatastrophen – war das alles aber nur eine dunkle Epoche? Humanismus und Renaissance nahmen ihren Anfang, Giotto di Bondone ragt als Wegbereiter der neuzeitlichen Malerei hervor, in der Literatur Giovanni Boccaccio, dessen „Decamerone“ nachhaltig die abendländische Literatur beeinflusste. Die Vorstellung von Liebe, wie sie in Boccaccios „Decameron“ in die Welt trat, hatte unabsehbare Folgen für das neu sich herausbildende Verständnis von Passion und Begehren. An die Stelle der traditionellen Betonung der „überirdischen“ Liebe tritt nun eine geradezu revolutionäre Erklärung zugunsten der „irdischen“. Wird Liebe freilich als soziales Spiel und Anlass von Täuschung verstanden, bedarf es einer neuen Theorie: Es entsteht ein poetisch gefärbtes Modell der Intersubjektivität. Die Journalistin Angelika Irgens-Defregger schrieb in ihrem Bericht über die Veranstaltung: Die Liebe beschreibt Boccaccio als einen natürlichen Vorgang. „An die Stelle der Liebe als metaphysisches Weltgesetz und Aufstieg zu Gott tritt die Liebe als naturgemäßer Trieb und Drang. Mitverantwortlich für die Liebe: die Schönheit der Frau, die schon damals hauptsächlich im Auge des männlichen Betrachters lag. Die Theologen des Mittelalters sahen in ihr ein sekundäres und noch dazu unehrenhaftes Motiv für die Ehe, weil diese ihrer Meinung nach die Vernunft eines Mannes zu betäuben in der Lage sei. Bei Boccaccio hingegen wird die Schönheit der Frau nicht nur als ehrenhaftes Motiv bezeichnet, sie wird sogar zum primären Motiv, weil sich an ihr die Liebe entzündet.“

Dieser Link führt zum Vortrag von Christof Breitsameter

Siehe auch das Sonderheft der "debatte" Nur eine finstere Krisenzeit?

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Christof Breitsameter über Giovanni Boccaccio (Teil 2)

lit radio breitsameter webDas 14. Jahrhundert gilt als Krisenzeit des Mittelalters. „Dramatisches Jahrhundert“ nannte es die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman in ihrem Klassiker „Der ferne Spiegel“. Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, in der Kirche die „Avignonesische Gefangenschaft“ und das große abendländische Schisma, Pestepidemien und Naturkatastrophen – war das alles aber nur eine dunkle Epoche? Humanismus und Renaissance nahmen ihren Anfang, Giotto di Bondone ragt als Wegbereiter der neuzeitlichen Malerei hervor, in der Literatur Giovanni Boccaccio, dessen „Decamerone“ nachhaltig die abendländische Literatur beeinflusste. Die Vorstellung von Liebe, wie sie in Boccaccios „Decameron“ in die Welt trat, hatte unabsehbare Folgen für das neu sich herausbildende Verständnis von Passion und Begehren. An die Stelle der traditionellen Betonung der „überirdischen“ Liebe tritt nun eine geradezu revolutionäre Erklärung zugunsten der „irdischen“. Wird Liebe freilich als soziales Spiel und Anlass von Täuschung verstanden, bedarf es einer neuen Theorie: Es entsteht ein poetisch gefärbtes Modell der Intersubjektivität. Die Journalistin Angelika Irgens-Defregger schrieb in ihrem Bericht über die Veranstaltung: Die Liebe beschreibt Boccaccio als einen natürlichen Vorgang. „An die Stelle der Liebe als metaphysisches Weltgesetz und Aufstieg zu Gott tritt die Liebe als naturgemäßer Trieb und Drang. Mitverantwortlich für die Liebe: die Schönheit der Frau, die schon damals hauptsächlich im Auge des männlichen Betrachters lag. Die Theologen des Mittelalters sahen in ihr ein sekundäres und noch dazu unehrenhaftes Motiv für die Ehe, weil diese ihrer Meinung nach die Vernunft eines Mannes zu betäuben in der Lage sei. Bei Boccaccio hingegen wird die Schönheit der Frau nicht nur als ehrenhaftes Motiv bezeichnet, sie wird sogar zum primären Motiv, weil sich an ihr die Liebe entzündet.“

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Siehe auch das Sonderheft der "debatte" Nur eine finstere Krisenzeit?

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Albert von Schirnding über das Fortleben der griechischen Götter

lit radio schirndingB webAntike Götter werden geboren, sind aber unsterblich. Sie erreichen ein ihrem Wesen gemäßes Alter und altern dann nicht weiter; sie zeugen selbst andere Götter, Halbgötter und Helden. Fundamental anders die biblische Rede von Gott, der der ganz Andere ist. Und dennoch gibt es Berührungspunkte. Antike Götter sind fast immer personale Wesen, weit mehr als nur Manifestationen von Naturerscheinungen, und sie besitzen eine Gewalt, die alles menschliche Maß übersteigt. So waren Fremdheit und Vertrautheit, schroffe Ablehnung und versuchte Integration die Pole beim Aufeinandertreffen des frühen Christentums mit den polytheistischen Religionen des griechisch-römischen Kulturkreises. Die Tagung untersucht die facettenreiche antike Götterwelt sowie die wechselseitige Sicht der heidnischen Religion und des christlichen Glaubens in der Spätantike. Darüber hinaus wurde dem Weiterleben der griechischen Götterwelt in Mittelalter und Neuzeit nachgespürt. Albert von Schirnding, Schriftsteller, Literaturkritiker und Essayist aus München, gab seinem Vortrag den Titel: "Postume Unsterblichkeit. Anmerkungen zum Fortleben der griechischen Götter in der deutschen Literatur von Schiller bis Thomas Mann."

 

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Programmblatt zur Veranstaltung "Die Unsterblichen"

Helmuth Kiesel über Alfred Döblins Großstadtroman Berlin Alexanderplatz (Teil 1)

lit radio kiesel webDie im November 1918 ausgerufene deutsche Republik war von Beginn an gravierenden Gefährdungen ausgesetzt. Schon bei ihrem Entstehen musste sie sich Putschversuchen und Aufständen von Antidemokraten erwehren. Massenarbeitslosigkeit, Kriegsschäden und die harten Forderungen des Versailler Vertrags lasteten schwer auf der jungen Demokratie. Zudem behinderten einflussreiche Eliten des Kaiserreichs einen grundlegenden Neuanfang. Nach ersten Krisenjahren zeichnete sich mit Erfolgen in der Außen- und Innenpolitik eine Phase der Stabilisierung ab. Trotz brüchigen Friedens erlebte die Republik in den „goldenen 20er Jahren“ nicht nur eine Spanne relativer wirtschaftlicher Konsolidierung, sondern auch eine Blütezeit des kulturellen Lebens und der Wissenschaft. Die Auswirkungen des „Schwarzen Freitags“ im Oktober 1929 trafen Deutschland besonders schwer und machten viele hoffnungsvolle Entwicklungen zunichte. Im Schatten der Weltwirtschaftskrise, die in weiten Teilen der Bevölkerung zu sozialem Abstieg und Armut führte, nahm die politische Radikalisierung zu, schwächten Regierungskrisen die Republik zusehends, zerfaserte das Parteiensystem und erstarkte die nationalsozialistische Bewegung. Am Beispiel von Akteuren unterschiedlicher Bereiche des damaligen öffentlichen Lebens sollen Aufstieg und Leistungen, Belastungen und Scheitern der Weimarer Republik veranschaulicht werden. Prof. Dr. Helmuth Kiesel, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Heidelberg referiert zum Thema: Provinz gegen Metropole - Der Streit um Alfred Döblins Großstadtroman Berlin Alexanderplatz.

Dieser Link führt zum ersten Teil des Vortrags von Helmuth Kiesel über Alfred Döblin

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Helmuth Kiesel über Alfred Döblins Großstadtroman Berlin Alexanderplatz (Teil 2)

lit radio kiesel webDie im November 1918 ausgerufene deutsche Republik war von Beginn an gravierenden Gefährdungen ausgesetzt. Schon bei ihrem Entstehen musste sie sich Putschversuchen und Aufständen von Antidemokraten erwehren. Massenarbeitslosigkeit, Kriegsschäden und die harten Forderungen des Versailler Vertrags lasteten schwer auf der jungen Demokratie. Zudem behinderten einflussreiche Eliten des Kaiserreichs einen grundlegenden Neuanfang. Nach ersten Krisenjahren zeichnete sich mit Erfolgen in der Außen- und Innenpolitik eine Phase der Stabilisierung ab. Trotz brüchigen Friedens erlebte die Republik in den „goldenen 20er Jahren“ nicht nur eine Spanne relativer wirtschaftlicher Konsolidierung, sondern auch eine Blütezeit des kulturellen Lebens und der Wissenschaft. Die Auswirkungen des „Schwarzen Freitags“ im Oktober 1929 trafen Deutschland besonders schwer und machten viele hoffnungsvolle Entwicklungen zunichte. Im Schatten der Weltwirtschaftskrise, die in weiten Teilen der Bevölkerung zu sozialem Abstieg und Armut führte, nahm die politische Radikalisierung zu, schwächten Regierungskrisen die Republik zusehends, zerfaserte das Parteiensystem und erstarkte die nationalsozialistische Bewegung. Am Beispiel von Akteuren unterschiedlicher Bereiche des damaligen öffentlichen Lebens sollen Aufstieg und Leistungen, Belastungen und Scheitern der Weimarer Republik veranschaulicht werden. Prof. Dr. Helmuth Kiesel, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Heidelberg referiert zum Thema: Provinz gegen Metropole - Der Streit um Alfred Döblins Großstadtroman Berlin Alexanderplatz.

Dieser Link führt zum zweiten Teil des Vortrags von Helmuth Kiesel über Alfred Döblin

Dieser Link führt zum Programmblatt der Veranstaltung in der Katholischen Akademie Bayern

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