Annemarie Pieper über die Sehnsucht nach ewiger Seligkeit

lit radio pieper web„Dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten“, meinte einst Sigmund Freud – wohl ernüchtert vom Blick auf seine Patienten. Dagegen hält der gute alte Aristoteles die „Eudaimonia“ gar für das letzte Ziel und höchste Gut. In unseren Landen gab es früher zwar starke anti-eudämonistische Tendenzen, von Kant bis zur Inschrift an preußischen Gymnasien: „Du bist nicht auf Erden, um glücklich zu sein, sondern deine Pflicht zu tun!“ Doch heutzutage bricht sich auch hier die Suche nach Glück neu Bahn, was allein schon die Überfülle an Ratgeber-Literatur zeigt. Sogar für Ökonomen wird das Thema zum relevanten und gleichzeitig schwer zu fassenden Forschungsgegenstand. Worin liegt aber nun das Glück? Der Antworten sind viele: in Reichtum oder Macht, in Genuss oder Askese, in Freundschaft oder Liebe, in Wissenschaft oder Kunst, in sittlichem Handeln oder im Aushalten des Absurden. Glück bleibt ein schillernder Begriff (mag man auch wie im Englischen zwischen „luck“ und „happiness“ unterscheiden), dazu „jene stets so empfindliche Pflanze“, wie Stendhal es nannte. Hören Sie hier den Vortrag von Annemarie Pieper, Professorin für Philosophie an der Universität Basel, „Wunschlos glücklich - Die Sehnsucht nach ewiger Seligkeit“. Die Referentin nimmt in ihrem Vortrag verschiedene literarische "Glücks-Entwürfe" in den Blick.

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Programmblatt zur Veranstaltung über "Glück"

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Christof Breitsameter über Giovanni Boccaccio (Teil 1)

lit radio breitsameter webDas 14. Jahrhundert gilt als Krisenzeit des Mittelalters. „Dramatisches Jahrhundert“ nannte es die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman in ihrem Klassiker „Der ferne Spiegel“. Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, in der Kirche die „Avignonesische Gefangenschaft“ und das große abendländische Schisma, Pestepidemien und Naturkatastrophen – war das alles aber nur eine dunkle Epoche? Humanismus und Renaissance nahmen ihren Anfang, Giotto di Bondone ragt als Wegbereiter der neuzeitlichen Malerei hervor, in der Literatur Giovanni Boccaccio, dessen „Decamerone“ nachhaltig die abendländische Literatur beeinflusste. Die Vorstellung von Liebe, wie sie in Boccaccios „Decameron“ in die Welt trat, hatte unabsehbare Folgen für das neu sich herausbildende Verständnis von Passion und Begehren. An die Stelle der traditionellen Betonung der „überirdischen“ Liebe tritt nun eine geradezu revolutionäre Erklärung zugunsten der „irdischen“. Wird Liebe freilich als soziales Spiel und Anlass von Täuschung verstanden, bedarf es einer neuen Theorie: Es entsteht ein poetisch gefärbtes Modell der Intersubjektivität. Die Journalistin Angelika Irgens-Defregger schrieb in ihrem Bericht über die Veranstaltung: Die Liebe beschreibt Boccaccio als einen natürlichen Vorgang. „An die Stelle der Liebe als metaphysisches Weltgesetz und Aufstieg zu Gott tritt die Liebe als naturgemäßer Trieb und Drang. Mitverantwortlich für die Liebe: die Schönheit der Frau, die schon damals hauptsächlich im Auge des männlichen Betrachters lag. Die Theologen des Mittelalters sahen in ihr ein sekundäres und noch dazu unehrenhaftes Motiv für die Ehe, weil diese ihrer Meinung nach die Vernunft eines Mannes zu betäuben in der Lage sei. Bei Boccaccio hingegen wird die Schönheit der Frau nicht nur als ehrenhaftes Motiv bezeichnet, sie wird sogar zum primären Motiv, weil sich an ihr die Liebe entzündet.“

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Siehe auch das Sonderheft der "debatte" Nur eine finstere Krisenzeit?

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Christof Breitsameter über Giovanni Boccaccio (Teil 2)

lit radio breitsameter webDas 14. Jahrhundert gilt als Krisenzeit des Mittelalters. „Dramatisches Jahrhundert“ nannte es die amerikanische Historikerin Barbara Tuchman in ihrem Klassiker „Der ferne Spiegel“. Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England, in der Kirche die „Avignonesische Gefangenschaft“ und das große abendländische Schisma, Pestepidemien und Naturkatastrophen – war das alles aber nur eine dunkle Epoche? Humanismus und Renaissance nahmen ihren Anfang, Giotto di Bondone ragt als Wegbereiter der neuzeitlichen Malerei hervor, in der Literatur Giovanni Boccaccio, dessen „Decamerone“ nachhaltig die abendländische Literatur beeinflusste. Die Vorstellung von Liebe, wie sie in Boccaccios „Decameron“ in die Welt trat, hatte unabsehbare Folgen für das neu sich herausbildende Verständnis von Passion und Begehren. An die Stelle der traditionellen Betonung der „überirdischen“ Liebe tritt nun eine geradezu revolutionäre Erklärung zugunsten der „irdischen“. Wird Liebe freilich als soziales Spiel und Anlass von Täuschung verstanden, bedarf es einer neuen Theorie: Es entsteht ein poetisch gefärbtes Modell der Intersubjektivität. Die Journalistin Angelika Irgens-Defregger schrieb in ihrem Bericht über die Veranstaltung: Die Liebe beschreibt Boccaccio als einen natürlichen Vorgang. „An die Stelle der Liebe als metaphysisches Weltgesetz und Aufstieg zu Gott tritt die Liebe als naturgemäßer Trieb und Drang. Mitverantwortlich für die Liebe: die Schönheit der Frau, die schon damals hauptsächlich im Auge des männlichen Betrachters lag. Die Theologen des Mittelalters sahen in ihr ein sekundäres und noch dazu unehrenhaftes Motiv für die Ehe, weil diese ihrer Meinung nach die Vernunft eines Mannes zu betäuben in der Lage sei. Bei Boccaccio hingegen wird die Schönheit der Frau nicht nur als ehrenhaftes Motiv bezeichnet, sie wird sogar zum primären Motiv, weil sich an ihr die Liebe entzündet.“

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Siehe auch das Sonderheft der "debatte" Nur eine finstere Krisenzeit?

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Albert von Schirnding über das Fortleben der griechischen Götter

lit radio schirndingB webAntike Götter werden geboren, sind aber unsterblich. Sie erreichen ein ihrem Wesen gemäßes Alter und altern dann nicht weiter; sie zeugen selbst andere Götter, Halbgötter und Helden. Fundamental anders die biblische Rede von Gott, der der ganz Andere ist. Und dennoch gibt es Berührungspunkte. Antike Götter sind fast immer personale Wesen, weit mehr als nur Manifestationen von Naturerscheinungen, und sie besitzen eine Gewalt, die alles menschliche Maß übersteigt. So waren Fremdheit und Vertrautheit, schroffe Ablehnung und versuchte Integration die Pole beim Aufeinandertreffen des frühen Christentums mit den polytheistischen Religionen des griechisch-römischen Kulturkreises. Die Tagung untersucht die facettenreiche antike Götterwelt sowie die wechselseitige Sicht der heidnischen Religion und des christlichen Glaubens in der Spätantike. Darüber hinaus wurde dem Weiterleben der griechischen Götterwelt in Mittelalter und Neuzeit nachgespürt. Albert von Schirnding, Schriftsteller, Literaturkritiker und Essayist aus München, gab seinem Vortrag den Titel: "Postume Unsterblichkeit. Anmerkungen zum Fortleben der griechischen Götter in der deutschen Literatur von Schiller bis Thomas Mann."

 

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Programmblatt zur Veranstaltung "Die Unsterblichen"

Otto Betz über Rainer Maria Rilke (Teil 1)

lit radio betz webBeim Studientag "Ungeborgen, hier auf den Bergen des Herzens" über Rainer Maria Rilkes meditativen Blick in die Welt referierte Otto Betz, Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Religionspädagogik an der Universität Hamburg. Das poetische Werk Rainer Maria Rilkes hat auch 85 Jahre nach seinem Tod nichts von seiner Faszination und seiner Wirkkraft eingebüßt. Was waren die Pole seines Denkens? Einerseits war er von einer nachdrücklichen Hinwendung zur Erde bestimmt, andererseits bekannte er: „Wir sind die Bienen des Unsichtbaren. Wir tragen leidenschaftlich den Honig des Sichtbaren ein, um ihn im großen goldenen Bienenstock des Unsichtbaren anzuhäufen.“ Rilke war darum bemüht, eine Schaufähigkeit zu entwickeln, die der Geheimnishaftigkeit der Wirklichkeit gerecht wird und ihren ‚epiphanischen Charakter‘ sichtbar macht. Den Menschen sah er in ein Spiel hineingenommen; und dieser solle auch darin mitspielen, um seiner Berufung gerecht zu werden. Die Bildsprache Rilkes legt uns nicht fest, sie schafft einen Raum und weckt unsere Imaginationsfähigkeit. Rilke hat kein Denksystem entwickelt und fordert nicht zur Nachfolge auf. Aber er lädt uns ein, ihm in den Garten seiner Bilderwelt zu folgen und seine Impulse in unser eigenes Leben hineinzunehmen. Als meditativer Dichter ist er noch zu entdecken.

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